Mit dem Personal Guide durch Shop City

How to spend it, 30. Januar 2009

Der Führer wird zum Personal Shopper: In immer mehr Großstädten zeigen Einheimische den Touristen die besten Jagdreviere für Mode und Design. Die FTD hat Touren in Antwerpen, London und Kopenhagen ausprobiert.
Schrille Mode in Antwerpen

Meine Fußsohlen dampfen wie der Kakao in meiner Tasse: Mit Vera, meiner Stadtführerin, war ich zwei Stunden lang auf dem "Fashion Walk" in Antwerpen. Die Stadt an der Schelde gilt seit Jahren als Zentrum der Modeavantgarde. Um diesen Ruf zu pflegen, bietet die Tourismuszentrale einen geführten Spaziergang durch die schönsten Shops und Boutiquen an.

Bei Vera muss keiner hinter einem Schirm herlaufen oder eine rote Mütze tragen. Mein Guide schlendert entspannt mit mir durch die Stadt. Es fehlt nicht viel, und sie würde sich bei mir einhaken wie eine alte Freundin.

Wir durchstreifen die Altstadt mit der größten Einkaufsstraße, der Meir, die von prachtvollen Fassaden und internationalen Ladenketten gesäumt ist. Von dort geht es weiter in die Nationalestraat, wo das Herz der hiesigen Designerszene schlägt: An der weltberühmten Modeakademie studierten die "Antwerp Six", die Mitte der Achtziger Jahre die Modewelt eroberten, unter ihnen Walter van Beirendonck, inzwischen Direktor der Akademie, und Dries von Noten. Ihre Läden liegen in unmittelbarer Nachbarschaft der Schule.

An Beirendoncks Geschäft in einer kleinen Seitenstraße (St. Antoniusstraat 12) wäre ich ohne Vera glatt vorbei gelaufen - es ist in einer ehemaligen Autowerkstatt und hat sich seither kaum verändert. Ein paar Meter weiter findet sich der puristische Flagshipstore der belgischen Designerin Veronique Branquinho (Nationalestraat 73) - ebenfalls ein Gewächs der Akademie.

Die Vielzahl der Modegeschäfte ist verwirrend - ohne meine Stadtführerin hätte ich viel mehr Zeit gebraucht, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Gleichzeitig hat Antwerpen etwas Dörfliches an sich: Von der Altstadt bis zum Quartier Latin lassen sich die Shopping-Viertel bequem zu Fuß ablaufen. Und Vera scheint nahezu jeden zu kennen: Während ich mich in den Geschäften umsehe, hält sie einen kurzen Schnack mit dem Ladenbesitzer oder dem Verkaufspersonal.

Neben schicken Designern zeigt mir Vera auch Adressen für Menschen mit kleinem Geldbeutel: Bei "Jutka & Riska" (Nationalestraat 87) gibt es günstige Vintage-Fundstücke, in den Streetwear-Läden in der Kammenstraat Neonfarben und Plastikbrillen.

Am Ende der Tour kenne ich die wichtigsten Designerläden und auch ein paar Insidertipps. Zum Einkaufen werde ich die Tour aber noch mal in Ruhe ablaufen müssen, denn dafür fehlt auf der Führung schlichtweg die Zeit.


Junges Design in Kopenhagen

Drei Jahre ist es her, dass Sine und Kristine, zwei junge Däninnen, "Cph:cool" gründeten. Das kleine Unternehmen hat sich auf lifestyle-orientierte Stadtführungen spezialisiert. "Wir haben uns gefragt, warum Städtereisende die immer gleichen Sehenswürdigkeiten besuchen", erinnert sich Sine. "Nie mehr Monumente und Museen" lautet daher das Motto von Cph:cool.

Das Team ist inzwischen auf sieben Städteguides angewachsen. Sie führen ihre Kunden wahlweise zu den modischen Geheimtipps in der Innenstadt ("Shop-o-rama"), schlemmen sich durch die heimische Gastronomie oder entdecken moderne Architektur.

Besonders gut gebucht ist die Tour durch das angesagte Stadtviertel Vesterbro. Die zuletzt etwas vernachlässigte Gegend wurde in den vergangenen Jahren saniert - schicke Geschäfte haben sich angesiedelt, wie das "Donn Ya Doll" (Istedgade 56), Sines Lieblingsshop, der vor allem für seine fantastischen Regenmäntel berühmt ist.

Große Einkaufsstraßen meiden die Städteguides von Cph:cool, denn die finden Besucher auch ohne ihre Hilfe. Stattdessen zeigen sie die versteckten Perlen, kleine Shops, die in keinem Reiseführer stehen und die nur echte Insider kennen.

Zu den Favoriten gehört "Sneaky Fox", ein Accessoires-Shop in der Studiestræde 25a, "eine Gegend voller Atmosphäre, kleinen bunten Häusern und Cafés", schwärmt Sine, die als Journalistin über Designthemen schreibt und die Führungen bislang noch als Nebenjob betreibt.

Bei der Interior Design-Tour können Besucher die florierende junge Szene Dänemarks entdecken, die längst nicht mehr im Schatten der Überväter Arne Jacobsen und Hans J. Wegner steht.

Der Rundgang startet bei dem von Jacobsen gestalteten SAS Royal Hotel (Hammerichsgade 1) und führt durch diverse Designshops der Stadt - dabei reicht das Spektrum von Fahrrad-Design über Papierlampen von Le Klint bis hin zu Modedesigner Henrik Vibskov, der unter anderem einen Strickpulli für Flugzeuge entwarf. Nebenbei verraten die jungen Tourguides Insider-Tipps zum Ausgehen.


Shopping statt Buckingham Palace in London

Seit Mai vergangenen Jahres gibt es die hippen Stadtführungen auch in London. "Urban Gentry" nennt sich das Unternehmen, was so viel heißt wie "städtischer Adel". Das ist keinesfalls snobistisch zu verstehen. Vielmehr wollen die Tourguides die Besucher zu den wirklich angesagten und erlesenen Shops führen. "

Wir bringen unsere Kunden an Orte, wo Londoner hingehen", erklärt Kevin, einer der Gründer von Urban Gentry, die Philosophie des Unternehmens. So ist die von Touristen bevölkerte Oxford Street für die Guides eine No Go-Area. Auf der "Fashion Forward Tour" führen sie ihre Kunden lieber nach Soho, in die zahlreichen Independent-Boutiquen und Streetwear-Läden, sowie zu den Flagshipstores von Marc Jacobs (24-25 Mount St) und Stella Mc Cartney (30 Bruton Street) in Mayfair.

Das Highlight der Tour ist für Kevin der Dover Street Market (17-18 Dover Street), der zu Comme des Garcons gehört. "Hier ist jedes Stockwerk voll mit kreativer Designermode." Durch den Mix aus bekannten Adressen und Geheimtipps soll auf der Tour kein Einkaufsaspekt zu kurz kommen.

Für Männer haben die hippen Cityguides mit der "Sartorial Spy"-Führung ein gesondertes Programm, durch Covent Garden, die Savile Row, "Londons historische Straße für Männermode", und die Jermyn Street, in der es handgemachte Shirts und Schuhe gibt.

Wem drei Stunden Mode zu viel sind, kann bei der "Style Savvy Tour" die besten Adressen für Kunst, Inneneinrichtung, Geschenke und natürlich auch Mode kennen lernen.

Kevin ist sicher, dass er eine Marktlücke entdeckt hat: "Wir wissen, dass viele Leute in unsere Stadt kommen, um das stylishe London kennen zu lernen, und sich weniger für die historische, traditionelle Seite interessieren." Wenn Marc Jacobs ruft, hat der Buckingham Palace das Nachsehen.


Tipps und Adressen


Antwerpen: Anbieter: Tourismus Antwerpen, Thema: Fashion Walk, Dauer: 2 Stunden, Preis: 55 Euro, Tel. 0032/3/203 95 30, www.antwerpen.be

Kopenhagen: Anbieter: Cph:cool, Thema: Shop-o-rama (Modetour), Cph:Design (u.a.), Dauer: 2 Stunden, Preis: 400 Euro (für bis zu 12 Personen), Tel.: 0045/29 80 10 40, www.cphcool.dk

London: Anbieter: Urban Gentry, Thema: Insider-Touren zu Mode, Kunst und Design, z. B. "East End Hip", Dauer: 3 Stunden, Preis: 190 Euro (pro Gruppe), Tel: 0044/20/81 49 62 53, www.urbangentry.com

Amsterdam: Anbieter: Like a local, Thema: Mode- oder Designtouren (u.a.), Dauer: 3 Stunden, Preis: 28 Euro (für 4 Personen), www.like-a-local.com

Paris: Anbieter: Chic Shopping Paris, Thema: Modeführungen, z. B. im Marais, Dauer: 4 Stunden, Preis: 100 Euro, Tel: 0033/6/14 56 23 11, www.chicshoppingparis.com

Berlin: Anbieter: Go Art Berlin, Thema: Führungen durch die Berliner Mode- oder Kunstszene, Dauer: verschieden, Preis: 70-90 Euro (je nach Dauer und Gruppengröße), Tel: 030/30 87 36 26, www.goart-berlin.de

New York: Anbieter: Chic Inspiration, Thema: Shopping-Tour durch verschiedene Stadtteile (z. B. East Village oder Soho), Dauer: 3 Stunden, Preis: 70 Euro, Tel: 001/347/752 25 07, www.chicshoppingtoursny.com