Wundertüte für Kunstliebhaber
23.11.2008 - Kategorien: Lifestyle & Design
Welt am Sonntag, 23. November 2008
Museumsshops bieten längst mehr als bedruckte Tassen und vermeintlich lustige Gimmicks. Einige Häuser verkaufen sogar limitierte Kunsteditionen - Wertsteigerungen inbegriffen.
Museumsshops bieten längst mehr als bedruckte Tassen und vermeintlich lustige Gimmicks. Einige Häuser verkaufen sogar limitierte Kunsteditionen - Wertsteigerungen inbegriffen.
Ein überdimensionaler Ballon-Hund, ein lila-glänzendes Herz oder eine kleine Katze, die aus einem Strumpf kriecht: Die poppigen Skulpturen des US-Künstlers Jeff Koons locken zurzeit die Besucher in Scharen in die Neue Nationalgalerie in Berlin. Aber nicht nur die Ausstellung, auch der dazugehörige Shop zieht die Kunstfans an – und das, obwohl er mit seinen Bauhaus-Regalen reichlich improvisiert wirkt. Zum Sortiment gehören die unvermeidlichen Luftballons, aus denen man sich einen Koons-Hund nachbauen kann, aber auch weniger Profanes wie die Schmuckstücke des dänischen Designers Kim Buck. Aus mit Luft gefüllter Aluminiumfolie hat er Miniaturen der Koons-Werke entworfen, zu denen er einen kleinen Strohhalm mitliefert, falls ihnen die Luft ausgehen sollte. In vier bis sechs Wochen will der Shop ein besonderes Highlight nachreichen: eine exklusive, limitierte Kunstedition von Koons. Um was genau es sich handeln wird, ist noch unbekannt.
Museumsshops haben ihre eigenen Gesetze: Kitsch trifft auf Kunst, Billigware auf Kunsthandwerk. Doch worin besteht der besondere Reiz dieser Einrichtungen? Jörg Klambt, Shopmanager der Neuen Nationalgalerie, führt die Anziehung auf das Anfass- und Lautstärkeverbot in den Museen zurück: „Der Shop liefert das, was die Ausstellung schuldig bleibt – das aktive Sich-Aneignen von Kunst.“ Nicht zu unterschätzen sei auch der Überraschungseffekt: „Ein Museumsshop ist wie eine große Wundertüte – anders als im Supermarkt weiß man nicht, was einen erwartet.“ Manches Mal wird man dabei enttäuscht. Doch es gibt Glanzlichter, deren Besuch sich in jedem Fall lohnt.
Vitra Design Museum, Weil am Rhein
Im kommenden Jahr kann das Vitra Design Museum sein 20jähriges Bestehen feiern. Im Januar 2010 soll das weltbekannte Gebäude von Frank O. Gehry dann durch einen Neubau des Architekturbüros Herzog & de Meuron erweitert werden. Damit wird auch der Museumsshop, der zurzeit noch in einem Nebengebäude des Museums untergebracht ist, neue und größere Räume beziehen. Zu seiner Anfangszeit verkaufte der Shop lediglich Postkarten, dann wurde nach und nach aufgestockt. Heute können Besucher hier zahlreiche Vitra-Objekte erstehen, von der bunten Garderobe „Hang it all“, dem absoluten Bestseller des Shops, bis hin zu den Vitra-Miniaturen, die inzwischen zu begehrten Sammlerstücken geworden sind. Einige der Miniaturen sind exklusiv im Museumsshop erhältlich. Anlässlich der Ausstellung zu dem Architekten und Designer George Nelson gibt es zudem eine Sonderedition seiner Wanduhr „Ball Clock“ (die angeblich das Ergebnis einer durchzechten Nacht war) sowie eine limitierte Auflage des grazilen „Pretzel“-Stuhls.
Adresse: Charles-Eames-Str. 1, 79576 Weil am Rhein
Web: www.design-museum.com/shop/
Deutsche Guggenheim, Berlin
Das Berliner Guggenheim Museum bringt zu jeder Ausstellung eine limitierte Kunstedition heraus - so wie das motorisierte Objekt "Jacob's Ladder" von John Baldessarini. Die Werke werden in erster Linie von Sammlern gekauft. Nicht selten steigen die Objekte noch deutlich im Wert: So bot das Guggenheim 2002 eine Edition der Scherenschnitt-Künstlerin Kara Walker an. Der Museumsshop verkaufte die Bilder damals für 150 Euro - heute werden sie bei Christie’s für 4500 Euro gehandelt. Derzeit arbeitet das Guggenheim an einem neuen Konzept für den Shop: Anfang März soll er sich in optisch neuem Gewand präsentieren und erstmals auch Lebensmittel anbieten.
Adresse: Unter den Linden 13/15, 10117 Berlin
Web: https://ssl.deutsche-bank-kunst.com
Deutsches Museum, München
Das größte Technikmuseum der Welt hat am Museumsshop nicht gespart: Der großzügige Geschäftsraum mit den hohen Fensterfronten war ursprünglich als Ausstellungshalle gedacht. Nirgendwo sonst findet man ein vergleichbares Angebot an Spielen, Büchern und Modellen rund um Naturwissenschaft, Technik und Architektur. Neben Spaß wird hier auch Wissen vermittelt, etwa mit der Sanduhr, die von unten nach oben läuft, der Dresdner Frauenkirche als Papiermodell oder einer Destille, mit der man seinen eigenen Schnaps brennen kann. Besonders hip ist das Thema Energie: Ein mit Solarenergie betriebenes Auto ist derzeit der Renner bei den Kunden.
Adresse: Museumsinsel 1, 80538 München
Web: www.deutsches-museum-shop.com
Museum für angewandte Kunst (MAK), Wien
Der Design-Shop im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) hat sich als Fundgrube für außergewöhnliche Designobjekte etabliert. Abgesehen von den Ausstellungskatalogen führt der Shop keine Merchandising-Artikel des Museums. Stattdessen finden sich Kreationen von Studenten der benachbarten Universität für angewandte Kunst, etwa eine Glasedition des Designduos Polka. Auch an Extravagantem - wie dem roten Damenslip mit einem Porträt des Architekten Rudolf M. Schindler - mangelt es nicht. Im Rahmen regelmäßiger „After Work Meeting Points“ können junge Designer Produkte vorstellen, die dann für eine begrenzte Zeit im Shop erhältlich sind. So wird etwa eine nummerierte und signierte Serie des Sesselmodells „Garcia“ von Martin Mostböck angeboten, die der Künstler speziell für das MAK weiterentwickelt hat.
MAK Design Shop
Adresse: Stubenring 5, A-1010 Wien
Web: www.makdesignshop.at
Neue Galerie, New York
Auf zwei Stockwerken präsentiert die Neue Galerie deutsche und österreichische Kunst des frühen 20. Jahrhunderts, darunter Bilder von Gustav Klimt oder Oskar Kokoschka, aber auch Objekte jüngerer Strömungen wie Bauhaus und Neue Sachlichkeit. Der Design Shop des Museums bezieht sich auf die ausgestellten Exponate, geht mit seinem gediegenen bis schrägen Sortiment aber weit darüber hinaus: Das reicht von silbernen Maiskolbenhaltern über schicke Mäntel und Reisetragetaschen für Hunde bis hin zur Replik der Aktentasche von Thomas Mann.
Adresse: 1048 Fifth Avenue (bei 86th Street)
New York, NY 10028
Web: http://www.neuegalerie.org
Victoria & Albert Museum, London
Das Victoria & Albert Museum ist ein Anziehungspunkt für Kunst- und Designinteressierte aus aller Welt. Das Museum zeigt eine Sammlung von Artefakten aus 3000 Jahren Kulturgeschichte, darunter Keramik, Möbel, Mode, Glas, Schmuck und Gemälde. Dementsprechend bunt ist das Angebot des Museumsshops: Vor Weihnachten wird er mit mehr als 2000 Artikeln zu einem Geschenke-Paradies. Der Hit für Kinder ist das Raketen-Spielhaus mit passendem Astronauten-Pyjama. Fans poppiger Designklassiker können hier unter anderem den „Egg Chair“ von Peter Ghyczy erstehen. Zudem gibt es eine große Auswahl an Arts & Crafts-Objekten, darunter Thermoskannen, Werkzeug und Gartensets im Design des einflussreichen britischen Künstlers William Morris.
Adresse: Cromwell Road, London SW7 2RL
Web: www.vandashop.com
New Museum, New York
Das New Museum in der Bowery beherbergt bis Januar die erste amerikanische Ausstellung von Elizabeth Peyton. Der Katalog ist zurzeit vergriffen, doch wer etwas von der populären englischen Malerin zu Hause haben möchte, kann im Museumsshop stattdessen ein Handtuch mit Peytons Schwarz-Weiß-Zeichnung des Punksängers Sid Vicious erstehen. Auch für Kunstsammler hat das New Museum etwas zu bieten: Jedes Jahr gibt es ein bis zwei limitierte Editionen heraus. Wer hier zum Zuge kommen will, muss schnell sein: Die meisten Editionen sind längst ausverkauft. Einige hochpreisige Raritäten sind sogar über den Online-Shop zu beziehen, wie die von Damien Hirst gestalteten Teller für 25000 Dollar. Wer solche Summen nicht aufbringen kann, greift vielleicht zu Mike Kelleys „Little Friend“, einem zotteligen Plüschmonster, das sprechen kann – das kostet mit 250 Dollar nur ein Hundertstel.
Adresse: 235 Bowery
New York, NY 10002
Web: www.newmuseum.org/shop/
Museumsshops haben ihre eigenen Gesetze: Kitsch trifft auf Kunst, Billigware auf Kunsthandwerk. Doch worin besteht der besondere Reiz dieser Einrichtungen? Jörg Klambt, Shopmanager der Neuen Nationalgalerie, führt die Anziehung auf das Anfass- und Lautstärkeverbot in den Museen zurück: „Der Shop liefert das, was die Ausstellung schuldig bleibt – das aktive Sich-Aneignen von Kunst.“ Nicht zu unterschätzen sei auch der Überraschungseffekt: „Ein Museumsshop ist wie eine große Wundertüte – anders als im Supermarkt weiß man nicht, was einen erwartet.“ Manches Mal wird man dabei enttäuscht. Doch es gibt Glanzlichter, deren Besuch sich in jedem Fall lohnt.
Vitra Design Museum, Weil am Rhein
Im kommenden Jahr kann das Vitra Design Museum sein 20jähriges Bestehen feiern. Im Januar 2010 soll das weltbekannte Gebäude von Frank O. Gehry dann durch einen Neubau des Architekturbüros Herzog & de Meuron erweitert werden. Damit wird auch der Museumsshop, der zurzeit noch in einem Nebengebäude des Museums untergebracht ist, neue und größere Räume beziehen. Zu seiner Anfangszeit verkaufte der Shop lediglich Postkarten, dann wurde nach und nach aufgestockt. Heute können Besucher hier zahlreiche Vitra-Objekte erstehen, von der bunten Garderobe „Hang it all“, dem absoluten Bestseller des Shops, bis hin zu den Vitra-Miniaturen, die inzwischen zu begehrten Sammlerstücken geworden sind. Einige der Miniaturen sind exklusiv im Museumsshop erhältlich. Anlässlich der Ausstellung zu dem Architekten und Designer George Nelson gibt es zudem eine Sonderedition seiner Wanduhr „Ball Clock“ (die angeblich das Ergebnis einer durchzechten Nacht war) sowie eine limitierte Auflage des grazilen „Pretzel“-Stuhls.
Adresse: Charles-Eames-Str. 1, 79576 Weil am Rhein
Web: www.design-museum.com/shop/
Deutsche Guggenheim, Berlin
Das Berliner Guggenheim Museum bringt zu jeder Ausstellung eine limitierte Kunstedition heraus - so wie das motorisierte Objekt "Jacob's Ladder" von John Baldessarini. Die Werke werden in erster Linie von Sammlern gekauft. Nicht selten steigen die Objekte noch deutlich im Wert: So bot das Guggenheim 2002 eine Edition der Scherenschnitt-Künstlerin Kara Walker an. Der Museumsshop verkaufte die Bilder damals für 150 Euro - heute werden sie bei Christie’s für 4500 Euro gehandelt. Derzeit arbeitet das Guggenheim an einem neuen Konzept für den Shop: Anfang März soll er sich in optisch neuem Gewand präsentieren und erstmals auch Lebensmittel anbieten.
Adresse: Unter den Linden 13/15, 10117 Berlin
Web: https://ssl.deutsche-bank-kunst.com
Deutsches Museum, München
Das größte Technikmuseum der Welt hat am Museumsshop nicht gespart: Der großzügige Geschäftsraum mit den hohen Fensterfronten war ursprünglich als Ausstellungshalle gedacht. Nirgendwo sonst findet man ein vergleichbares Angebot an Spielen, Büchern und Modellen rund um Naturwissenschaft, Technik und Architektur. Neben Spaß wird hier auch Wissen vermittelt, etwa mit der Sanduhr, die von unten nach oben läuft, der Dresdner Frauenkirche als Papiermodell oder einer Destille, mit der man seinen eigenen Schnaps brennen kann. Besonders hip ist das Thema Energie: Ein mit Solarenergie betriebenes Auto ist derzeit der Renner bei den Kunden.
Adresse: Museumsinsel 1, 80538 München
Web: www.deutsches-museum-shop.com
Museum für angewandte Kunst (MAK), Wien
Der Design-Shop im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) hat sich als Fundgrube für außergewöhnliche Designobjekte etabliert. Abgesehen von den Ausstellungskatalogen führt der Shop keine Merchandising-Artikel des Museums. Stattdessen finden sich Kreationen von Studenten der benachbarten Universität für angewandte Kunst, etwa eine Glasedition des Designduos Polka. Auch an Extravagantem - wie dem roten Damenslip mit einem Porträt des Architekten Rudolf M. Schindler - mangelt es nicht. Im Rahmen regelmäßiger „After Work Meeting Points“ können junge Designer Produkte vorstellen, die dann für eine begrenzte Zeit im Shop erhältlich sind. So wird etwa eine nummerierte und signierte Serie des Sesselmodells „Garcia“ von Martin Mostböck angeboten, die der Künstler speziell für das MAK weiterentwickelt hat.
MAK Design Shop
Adresse: Stubenring 5, A-1010 Wien
Web: www.makdesignshop.at
Neue Galerie, New York
Auf zwei Stockwerken präsentiert die Neue Galerie deutsche und österreichische Kunst des frühen 20. Jahrhunderts, darunter Bilder von Gustav Klimt oder Oskar Kokoschka, aber auch Objekte jüngerer Strömungen wie Bauhaus und Neue Sachlichkeit. Der Design Shop des Museums bezieht sich auf die ausgestellten Exponate, geht mit seinem gediegenen bis schrägen Sortiment aber weit darüber hinaus: Das reicht von silbernen Maiskolbenhaltern über schicke Mäntel und Reisetragetaschen für Hunde bis hin zur Replik der Aktentasche von Thomas Mann.
Adresse: 1048 Fifth Avenue (bei 86th Street)
New York, NY 10028
Web: http://www.neuegalerie.org
Victoria & Albert Museum, London
Das Victoria & Albert Museum ist ein Anziehungspunkt für Kunst- und Designinteressierte aus aller Welt. Das Museum zeigt eine Sammlung von Artefakten aus 3000 Jahren Kulturgeschichte, darunter Keramik, Möbel, Mode, Glas, Schmuck und Gemälde. Dementsprechend bunt ist das Angebot des Museumsshops: Vor Weihnachten wird er mit mehr als 2000 Artikeln zu einem Geschenke-Paradies. Der Hit für Kinder ist das Raketen-Spielhaus mit passendem Astronauten-Pyjama. Fans poppiger Designklassiker können hier unter anderem den „Egg Chair“ von Peter Ghyczy erstehen. Zudem gibt es eine große Auswahl an Arts & Crafts-Objekten, darunter Thermoskannen, Werkzeug und Gartensets im Design des einflussreichen britischen Künstlers William Morris.
Adresse: Cromwell Road, London SW7 2RL
Web: www.vandashop.com
New Museum, New York
Das New Museum in der Bowery beherbergt bis Januar die erste amerikanische Ausstellung von Elizabeth Peyton. Der Katalog ist zurzeit vergriffen, doch wer etwas von der populären englischen Malerin zu Hause haben möchte, kann im Museumsshop stattdessen ein Handtuch mit Peytons Schwarz-Weiß-Zeichnung des Punksängers Sid Vicious erstehen. Auch für Kunstsammler hat das New Museum etwas zu bieten: Jedes Jahr gibt es ein bis zwei limitierte Editionen heraus. Wer hier zum Zuge kommen will, muss schnell sein: Die meisten Editionen sind längst ausverkauft. Einige hochpreisige Raritäten sind sogar über den Online-Shop zu beziehen, wie die von Damien Hirst gestalteten Teller für 25000 Dollar. Wer solche Summen nicht aufbringen kann, greift vielleicht zu Mike Kelleys „Little Friend“, einem zotteligen Plüschmonster, das sprechen kann – das kostet mit 250 Dollar nur ein Hundertstel.
Adresse: 235 Bowery
New York, NY 10002
Web: www.newmuseum.org/shop/